Der Sport hat hauptsächlich zwei Feinde, die ihm wirklich gefährlich werden können.
Erstens sind da die Leute, die aus ihm mit aller Gewalt eine hygienische Bewegung machen wollen.
Diese Sorte von Leuten arbeitet mit Vorliebe unter der Devise, Sport sei gesund, und versucht damit, in den Schulen und auch durch populäre Literatur das, was an wirklichem Sportgeist in den jüngeren Leuten steckt, für alle Zeiten zu ruinieren. Selbstverständlich ist Sport, nämlich wirklicher passionierter Sport, riskanter Sport, nicht gesund. Da, wo er wirklich etwas mit Kampf, Rekord und Risiko zu tun hat, bedarf er sogar außerordentlicher Anstrengungen des ihn Ausübenden, seine Gesundheit einigermaßen auf der Höhe zu halten. Ich glaube nicht, dass Lindbergh sein Leben durch seinen Ozeanflug um zehn Jahre verlängert hat. Boxen zu dem Zweck, den Stuhlgang zu heben, ist kein Sport. Der Zweck des Sportes ist natürlich nicht körperliche Ertüchtigung, sondern der Zweck körperlicher Ertüchtigung kann Sport sein.
Der zweite Hauptgegner des Sports ist der wissenschaftliche Fimmel.
Hierher gehören leider meistens mit besonderer Unterstützung der Presse die krampfhaften Bemühungen einiger »Kenner«, aus dem Sport eine Art »Kunst« zu machen. Diesen Kennern wächst jetzt schon wieder auf der bloßen Hand eine ganze Nomenklatur von Fachausdrücken, und die Tendenz geht immer mehr aus l'art pour l'art.
Im Boxsport äußert sich diese sportsfeindliche Tendenz in der Propagierung des Punktverfahrens. Je weiter sich der Boxsport vom K. o. entfernt, desto weniger hat er mit wirklichem Sport zu tun. Ein Boxer, der seinen Gegner nicht niederschlagen kann, hat ihn natürlich nicht besiegt. Sehen Sie sich zwei Männer an einer Straßenecke oder in einem Lokal einen Kampf liefern. Wie stellen Sie sich hierbei einen Punktsieg vor? Die Haupt-Todfeinde des natürlichen naiven und volkstümlichen Boxsportes sind jene Gelehrten, die an den Seilen sitzen und in ihre Hüte hinein Punkte sammeln.
Sie verstehen mich: je »vernünftiger«, »feiner« und »gesellschaftsfähiger« der Sport wird, und er hat heute eine starke Tendenz dazu, desto schlechter wird er.
1 Kommentare:
Brecht liest sich ja recht modern. Ich denke aber ein jeder kennt den Spruch von Paracelsus: „Dosis sola venenum facit“ (deutsch: „Allein die Menge macht das Gift“): „Alle Dinge sind Gift und nichts ohne Gift“...
Die NZZ online schrieb einmal:„Sport ist gesund.» Zumindest im Internet scheint der Fall klar zu sein, denn die Eingabe dieser Aussage ergibt bei einer bekannten Internet-Suchmaschine rund 40 000 Treffer, derweil «Sport ist ungesund» nur etwa 400 Treffer generiert. Dem gegenüber steht aber die Tatsache, dass in der Schweiz rund 25 Prozent aller Unfälle auf sportliche Betätigung zurückzuführen sind. Der Sport «produziert» jährlich mehr als 100 Todesfälle und rund 8000 Schwerverletzte. Sport kann also auch sehr ungesund und schmerzhaft sein.
Die Frage nach der Gesundheitswirksamkeit von Sport ist nicht ganz einfach zu beantworten. Sie hängt ab von der Art der sportlichen Tätigkeit. Zudem ist die körperliche wie geistige Belastbarkeit jedes Menschen unterschiedlich und verändert sich im Laufe eines Lebens ständig. Die trainingsunabhängige, natürliche Leistungsspitze, gemessen an sportmotorischen Basisfähigkeiten wie Ausdauer, Kraft oder Schnelligkeit, erreicht ihren Gipfel zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr. Danach nimmt etwa die Ausdauerleistungsfähigkeit pro Lebensjahr um rund ein Prozent ab. Durch Training kann dieser Verlauf stark beeinflusst werden. Ein langjährig trainierender 60-jähriger Läufer kann eine bessere Ausdauerleistungsfähigkeit aufweisen als ein körperlich inaktiver 20-Jähriger. So ist die Frage nach der Gesundheitswirkung von Sport in Abhängigkeit des Alters, der Konstitution, des Geschlechts und des Trainingsniveaus stets individuell und in Relation zur sportlichen Aktivität zu gesehen.“ http://www.nzz.ch/hintergrund/dossiers/sport_oekonomie_und_medizin/sport_und_medizin/articlef63us_1.357464.html
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit ganzheitlichen Gesundheitssystemen, z.B. chinesischer Medizin usw. Hier geht es um ein Zusammenspiel von gesunder Ernährung, Bewegung z. B. Tai Chi und Chi Gong, sowie Stressreduktion durch Meditation. Leider steht bei uns im Sport immer der Wettkampfgedanke im Vordergrund. Heute las ich in der Zeitschrift „Stern“, wie wichtig Bewegung für übergewichtige Kinder sei. Für die meisten ist doch schon der Schulsport ein Horror, da sie keine guten Noten schaffen und von den Klassenkameraden auch noch gehänselt werden. In den Sportvereinen ist es nicht besser, oft wollen hier nur ehrgeizige Trainer mit „ihren“ Leistungen in die Zeitung kommen, dass Wohl der Kinder ist ihnen egal. Besonders für Stadtkinder ist es heutzutage verdammt schwer sich Bewegung zu verschaffen, überall stören sie. Womit wir wieder beim Vereins- und Schulsport wären, ein Zirkulus vitiosus.
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